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Artikel: Caroline und Benjamin Freisfeld

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Portrait

Caroline und Benjamin Freisfeld

Liebe Caroline, lieber Benjamin Freisfeld, Sie leiten seit 2010 das Juwelierhaus Brahmfeld & Gutruf. Was fällt Ihnen zu „aveluene” ein?
Benjamin: Wir haben uns die Plattform und die anderen Partner sehr genau angesehen, bevor wir Ja gesagt haben. Und das war eigentlich der Moment, in dem wir wussten: hier gehören wir hin. Es gab eine Lücke - und die konnten wir füllen. Was uns überzeugt hat, war weniger das Konzept als die Menschen dahinter. Yasmin und Julika bringen ein Spektrum an Erfahrung mit, das man selten zusammen findet. Das merkt man in der Auswahl, die sie treffen - da steckt Urteil drin, keine Beliebigkeit. Wer kuratiert, muss auch den Mut haben, Nein zu sagen. Diesen Mut sieht man.
Caroline: Schmuck im digitalen Raum funktioniert nur, wenn die Handschrift der Plattform stark genug ist, um das Stück zu tragen. Bei aveluene ist sie das.

Brahmfeld & Gutruf besteht seit 1743 und ist eines der ältesten Juwelierhäuser Deutschlands. Was hat seine Beständigkeit über all die Jahre gesichert?
Benjamin: Hamburg. Klingt simpel, aber es steckt viel dahinter. Diese Stadt wurde nie von einer Krone oder einer Kirche regiert - immer von ihren freien Bürgerinnen und Bürgern. Dieser Geist hat das Haus von Anfang an geprägt. Brahmfeld & Gutruf war nie Hoflieferant im unterwürfigen Sinne - man hat den Zaren beliefert, ja, aber man war immer Herr seiner selbst. Diese kaufmännische Unabhängigkeit und der kompromisslose Qualitätsanspruch, der sich in jedem Stück mit dem Punzierstempel BG 1743 niederschlägt - das ist das Fundament.
Caroline: Dazu kommt, dass wir nie dem Zeitgeist hinterhergelaufen sind, aber ihm auch nie den Rücken gekehrt haben. Hamburgs Schmuckkultur lebt vom Überraschenden im feinen Rahmen. Frech und vornehm - und beides zugleich. Das war 1743 so, und das ist heute so.

Das Haus wurde immer wieder von Ehepaaren gemeinsam geleitet. Was viele als Herausforderung empfinden, scheint bei Ihnen das Erfolgsrezept zu sein. Was ist die Zauberformel?
Caroline: (lacht) Zauberformel klingt zu einfach. Es ist eher eine ehrliche Aufgabenteilung, die aus echtem gegenseitigem Respekt entsteht - nicht aus einer Vereinbarung, die man auf Papier bringt. Benjamin denkt in Strukturen, in Zusammenhängen, im großen Bild. Ich denke in Farben, in Formen, in Geschichten.
Benjamin: Und keiner von uns käme auf die Idee, das Terrain des anderen zu besetzen. Das war bei den Gründern des Hauses nicht anders - als Johann Georg Gutruf die Tochter Emilie Brahmfeld heiratete und damit dem Haus seinen Doppelnamen gab, war das ja keine Übernahme, sondern eine Ergänzung. Das Haus hat dieses Prinzip nie verlassen.
Caroline: Das Entscheidende ist vielleicht: Man muss bereit sein, zu zweit auch unbequeme Gespräche zu führen. Aber am Ende des Tages - im wörtlichen Sinne - geht man zusammen nach Hause.

Was fasziniert Sie besonders an diesem Handwerk?
Caroline: Die Tatsache, dass hier vieles beim Alten geblieben ist. Ein guter Goldschmied braucht dieselbe Fingerfertigkeit wie vor 300 Jahren. Kein Algorithmus der Welt kann einen Stein sauber setzen. Diese Erdung an das Handwerk, an das Material, an die Zeit, die ein Stück braucht - das ist in einer Welt der Beschleunigung fast revolutionär.
Benjamin: Und es ist eine der wenigen Branchen, in der ein Stück wirklich für Generationen gemacht wird. Was wir signieren, soll in hundert Jahren noch stehen. Das ist eine Verantwortung, die einen täglich aufrecht hält.

Haben Sie beide einen persönlichen Lieblingsedelstein?
Caroline: Ich bin hoffnungslos verliebt in Paraíba-Turmaline. Dieses elektrische Blaugrün - als würde das Meer leuchten. Man sieht sie und möchte sie sofort in ein Stück verwandeln.
Benjamin: Ich neige zu Saphiren. Nicht wegen des Erwartbaren, sondern wegen der Bandbreite - von diesem tiefen Königsblau bis zu einem fast lavendelfarbenen Violett. Ein guter Saphir erzählt mehr als ein gutes Gemälde.

Wie sieht Ihr Designprozess aus? Was inspiriert Sie?
Caroline: Er beginnt fast immer mit einem Stein. Wir suchen erst den Stein - handverlesen, oft auf Messen oder direkt bei Händlern, denen wir seit Jahren vertrauen. Der Stein erzählt uns, was er werden will. Die Form folgt dem Material, nicht umgekehrt.
Benjamin: Hamburg spielt immer eine Rolle. Das Licht hier, das Wasser, diese Mischung aus hanseatischer Nüchternheit und echter Weltoffenheit. Unsere Stücke sollen genau das widerspiegeln: überraschend bunt, aber nie laut. Sie kennen ihre eigene Würde.
Caroline: Und dann natürlich das Atelier. Das Handwerk schlägt zurück. Was auf dem Papier elegant klingt, muss auch in Gold und Stein ehrlich bleiben.

Erinnern Sie sich an ein Schmuckstück, das Sie besonders fasziniert hat?

Benjamin: Ein Lieblingsschmuckstück - das kann ich eigentlich gar nicht benennen. Dafür ist meine Beziehung zu den einzelnen Stücken zu groß und zu vielfältig. Was mich immer wieder fasziniert: Ich entdecke Schmuck neu, wenn er seinen Träger findet. Ein Stück verändert sich mit dem Menschen, der es trägt - es bekommt eine andere Resonanz, manchmal eine ganz andere Bedeutung. Das Design allein spielt dabei oft eine untergeordnete Rolle.

Eine Geschichte, die mir damals viel Spaß gemacht hat: Eine Kundin kam zu uns mit einem wunderschönen Santa-Maria-Aquamarin, den sie geerbt hatte - ursprünglich ein großer Anhänger. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, ihn als Ring zu tragen. Der Stein wog fast 160 carat. Es hat mehrere Prototypen gebraucht, aber am Ende ist ein wunderschöner Ring aus unserer Étapes-Collection entstanden: strenge Formen, über 60 Gramm Gold, fast 5 carat Baguettediamanten, aber absolut tragbar. Der Ring besteht durch seine Schlichtheit und ist dennoch imposant. Überraschend hanseatisch!

Caroline: Mein Lieblingsschmuck wechselt oft - täglich, wöchentlich, monatlich. Eigentlich ständig. Im Moment kehre ich aber häufig zu unseren großen Artichaut-Ohrringen zurück. Die Kollektion ist aus einer ganz einfachen Beobachtung entstanden: dass die Natur Formen erfindet, die kein Designer besser hinbekommt. Die Artischocke - streng, geometrisch, und gleichzeitig von einer fast organischen Sinnlichkeit. Gold und Diamanten, und dennoch kein Gramm zu viel. Ich trage sie selbst, und ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich sie anfasse und neu entdecke. Das ist für mich das Zeichen, dass etwas wirklich gelungen ist.


Schmuckstücke werden oft zu besonderen Anlässen verschenkt. Erinnern Sie sich an eine besonders schöne Geschichte eines Käufers?
Benjamin: Ein bekannter deutscher Philosoph kam mit seiner Frau zu uns und suchte nach einem Ring. Er hat uns schlicht keine Gelegenheit gelassen, ihn zu verkaufen - er hat das selbst übernommen. Mit einer Poesie und einer Eloquenz, die mich bis heute nicht loslässt. Was er über dieses Stück sagte, war keine Beschreibung - es war eine Liebeserklärung. Laut gesprochen, seiner Frau gegenüber, mitten in unserem Haus. Wir standen daneben und haben einfach zugehört. Man war gerührt. Man war stolz. Und man hatte das Gefühl, einen dieser Momente begleiten zu dürfen, die man nicht plant und nicht vergisst. Ein entwaffnend ehrlicher Moment.

Caroline: Nicht lange danach ist er leider verstorben. Und mit ihm diese Stimme, diese Worte. Aber der Ring ist noch da - und mit ihm alles, was er bedeutet. Das ist das Versprechen, das guter Schmuck hält: Er überdauert uns. Er trägt weiter, was wir nicht mehr sagen können. 


Welchen Rat geben Sie jemandem, der sein erstes Schmuckstück kauft?
Benjamin: Kaufen Sie nichts, das Ihnen gleichgültig ist. Der Preis spielt eine geringere Rolle als die Resonanz. Ein Stück, das Sie anschaut und Sie zurückschauen - das ist das richtige.Caroline: Zögern Sie nicht zu lange. Schmuck ist keine rationale Entscheidung - und das ist gut so. Wenn Sie ein Stück anschauen und es Sie zurückschaut, dann ist das Ihr Stück. Das Leben ist kurz. Greifen Sie zu.

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